EU macht einen Schritt vorwärts bei der Kreislaufwirtschaft - DWR eco
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EU macht einen Schritt vorwärts bei der Kreislaufwirtschaft

In den letzten Wochen hat die Kreislaufwirtschaft wieder zahlreiche Schlagzeilen gemacht. Politiker aus verschiedenen europäischen Ländern, aktuell allen voran aus England, forderten, Coffee-to-go Becher oder Plastiktüten zu besteuern, um Plastikmüll zu reduzieren; China weigert sich in Zukunft, Plastikmüll im großen Stil zu importieren, und stellt somit die hiesige Abfallwirtschaft vor neue Herausforderungen; Mitte Dezember konnten sich Rat, Parlament und Kommission auf ein umfangreiches Gesetzespaket auf EU-Ebene einigen und vor Kurzem legte die Kommission zusätzlich eine Plastikstrategie vor.

Im Kern dieser am 16. Januar verabschiedeten Strategie steht, dass mithilfe diverser Richtlinien das Recyclen von Kunststoffen beziehungsweise deren Wiederverwertung in Alltagsprodukten wirtschaftlich attraktiver werden soll. Anreizprogramme und Steuern sollen so die Bereitschaft zum Recyceln steigern. Außerdem soll durch eine Ausweitung bereits bestehender Programme zur Eindämmung von Plastikmüll das Volumen von Abfällen, ob nun recycelbar oder nicht, gesenkt werden.

Neben den Anreizprogrammen soll eine Quote eingeführt werden, mit deren Hilfe bis 2030 alle Plastikverpackungen in der EU recyclebar werden sollen. Weichmacher, Sauerstoffbarrieren und andere Additive in Kunststoffen, die oft nur ein einziges Mal verwendet werden, stellen eine bis dato fast unüberwindbare Hürde für die Wiederverwertung dar. Alternativen dazu bestehen, werden aber bislang noch zu wenig genutzt. Darüber hinaus soll der Gebrauch von Einwegplastik sowie die Verwendung von Mikroplastik, zum Beispiel in Kosmetika, beschränkt werden. Für die schrittweise Umsetzung der Plastikstrategie wurde auch ein Zeitplan aufgestellt, welcher vorsieht, dass die Recyclingquote erhöht werden muss. Allerdings findet diese Erhöhung nur sehr langsam statt.

Die Reaktionen von Verbänden aus dem Umweltschutzbereich und der Recyclingwirtschaft reichen von milder Enttäuschung über das Fehlen von Ambitionen, klaren Verboten und Vorgaben bis zu Freude darüber, dass es einen Grundbaustein gibt, auf dem man jetzt weiter aufbauen kann.

Kritikpunkt an der EU-Strategie ist, dass diese auf das freiwillige Engagement der Wirtschaft setzt, bevor sie strengere Auflagen bekommen soll. Immerhin: bei einzelnen Konzernen wie Dell, McDonald’s, Aldi, Lidl und Henkel hat die Strategie scheinbar angeschlagen, da sie bekannt gaben, in den nächsten Jahren an ihrer Recycling- und Verpackungsstrategie arbeiten zu wollen.

Die Notwendigkeit einer umfassenden Strategie zur Vermeidung und Wiederverwertung von Plastikabfällen zeigt sich zumeist an der Verschmutzung der Meere und Ozeane. Jährlich landen etwa 500.000 Tonnen Plastikmüll aus der EU in den Meeren. Weltweit werden ca. 78 Millionen Tonnen Plastik Jahr für Jahr produziert, wovon gerade einmal 2 Prozent wiederverwertet werden. Der Rest wird auf Müllhalden deponiert, verbrannt oder gelangt durch unachtsame Entsorgung in die Umwelt. Letzteres gilt für immerhin 32 Prozent des Plastikmülls. Momentan geht die UN davon aus, dass etwa 51 Billionen Kunststoffpartikel in unseren Gewässern schwimmen. Das sind etwa 500-mal mehr Plastikteilchen in den Ozeanen als es Sterne in unserer Galaxie gibt. Das Problem ist seit Jahren bekannt und hat dennoch riesige Ausmaße angenommen. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2050 mehr Plastik in den Gewässern unserer Welt treiben wird, als es dann noch Fische gibt.

Deshalb braucht es neben überregionalen politischen Lösungen auch lokales bürgerliches Engagement.

Schon lange bevor man sich auf Bundes- bzw. Europaebene dem Problem ernsthaft annehmen konnte, gab es eine Reihe von bürgerschaftlichen Initiativen mit dem Ziel, Gewässer sauber zu halten, aber an erste Stelle auch, um das Wissen um das Problem deutlich darzustellen.

So haben zum Beispiel beim International-Coastal-Clean-Up-Day am 16. September eine halbe Million Freiwillige weltweit über 8.000 Tonnen Müll aus dem Meer an Land gezogen.

In Deutschland engagiert sich unter anderen der NABU für eine effektivere Müllstrategie. Als Teil der „Meere ohne Plastik“-Kampagne hat der NABU 2013 die „Gewässerretter“ ins Leben gerufen. Hier sind hunderte Freiwillige organisiert, die deutschlandweit helfen, Gewässer von Müll zu befreien. Darüber hinaus wurde eine Gewässerretter-App entwickelt. Auf einer interaktiven Karte kann man entweder ein verschmutztes Ufer “melden” oder sich den gemeldeten Müll an Ufern anzeigen lassen. So können Aktionen initiiert werden und andere freiwillige Müllsammler können sich für eine Clean-Up-Aktion verabreden, um die Gewässer in der eigenen Umgebung sauber zu halten.

„Es geht darum die Leute zu sensibilisieren, auf das Problem aufmerksam zu machen und sie dazu zu bringen, im Alltag darauf zu achten, weniger Müll zu produzieren”, so Kathrin Klinkusch, Pressesprecherin des NABU.