12Apr
Von: Nora Zaremba An: April 12, 2017 In: Allgemein Comments: 0

Dominic Hofstetter, 32 Jahre alt, ist seit Januar neuer DACH Chef von Climate-KIC, der größten europäischen Förderinitiative für junge Unternehmen im Cleantech-Bereich. 1999 begann der Schweizer seine Karriere bei der Bank Credit Suisse, für die er in Zürich und New York tätig war. Parallel dazu schloss er ein Studium in Betriebswirtschaft ab. Mit einem MBA an der University of Chicago (USA) und einem Master in Umweltwissenschaften an der University of Oxford (Großbritannien) begann er, die Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel zum Fokus seiner Berufstätigkeit zu machen. Danach war er in London für eine Private Equity Firma mit Fokus auf Cleantech tätig bevor er 2012 selbst zum Unternehmer wurde und als Leiter der Geschäftsentwicklung beim Münchner Power-to-Gas Start-Up Electrochaea einstiegt. Seit Oktober 2015 ist er bei Climate-KIC.

Im Interview mit DWReco spricht er über die Investorenperspektive, wichtige Trends der Cleantech-Branche und den Gestaltungsspielraum von Climate-KIC.

Dominic, du arbeitest nun seit über 15 Jahren für verschiedene Unternehmen und in verschiedenen Tätigkeiten zum Thema Klimainnovation. Was fasziniert dich daran?

HofstetterZunächst einmal finde ich den Klimawandel als physikalisches Phänomen sehr spannend. Er verlangt uns eine radikale Änderung der Art und Weise ab, wie wir leben. Die große Frage ist doch: Inwieweit werden wir Menschen wirklich unser individuelles Verhalten in einem so großen Maßstab ändern, dass es etwas bewirkt? Leider stehen die Chancen dafür sehr schlecht, Verhaltensänderungen in kurzer Zeit umzusetzen. Also müssen wir uns darauf fokussieren, marktfähige Lösungen zu entwickeln und anzubieten, mit denen wir den Klimawandel in den Griff bekommen.

Damit kommen wir zu meiner Faszination: Ich möchte diese Lösungen kennenlernen und sie auf Mark und Nieren testen, damit sie marktfähig werden und dort bestehen können. Für den Klimawandel gibt es schließlich nicht die eine technologische Patentlösung. Es kommt eher darauf an, viele kleine Lösungen anzubieten, die in ihrer Gesamtheit verschiedene Lebensbereiche klimafreundlicher und ressourcenschonender gestalten.

Du hast die Cleantech-Branche viele Jahre lang aus der Investoren-Perspektive betrachtet. Worauf kommt es den Investoren an?

Klassische Investoren interessieren sich in der Regel nicht dafür, ob ein Produkt oder eine Technologie nun umwelt- und klimafreundlich ist oder nicht. Sie investieren, um Geld zu verdienen und sind auf hohe Finanzrenditen aus. Das Problem an Klimatechnologien war stets, dass Innovationszyklen sehr lang sind und es lange dauert, bis sich eine Technologie am Markt beweist. Die Erneuerbaren haben sich nun bewiesen und jetzt zeigen sich Investoren entsprechend interessiert.

Sie hören aber auch auf Signale der Politik: So regt z.B. die Diskussion um den zeitlichen Rahmen für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas die Investitionsfreude in Klimatechnologien zusätzlich an.

Welche europäischen Cleantech-Märkte findest du derzeit am spannendsten?

Deutschland ist sicherlich der Markt, an dem viele der wichtigen Rahmenbedingungen stimmen, um Investitionen in Cleantech zu ermöglichen. Die Bevölkerung ist der Energiewende gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt. Die Politik hat die Eckpfeiler einer Energiewende gesetzt, nur in Details wird jetzt nachjustiert. Außerdem kommen viele spannende Start-ups aus Deutschland, beispielsweise der Speicherhersteller sonnen oder auch Thermondo. Aber auch UK hat bereits begonnen, in Sachen Cleantech ein Vorreiter zu sein und den Ausbau erneuerbarer Energien – hier besonders im Offshore-Windbereich – voranzutreiben. Inspirieren lasse ich mich von Dänemark, Finnland und Schweden: Dort stehen die Menschen technischen Neuerungen sehr aufgeschlossen gegenüber. Saubere Umwelttechnologien und erneuerbare Energien genießen einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft – kein Wunder, dass ihre Volkswirtschaften in der Cleantech-Branche führend sind.

Gibt es Trends, deren Weg du besonders aufmerksam verfolgst?

Mit großem Interesse verfolge ich das Fintech-Segment. Immer mehr Start-ups versuchen die Welt der Banken bzw. die Welt der Geldströme zu digitalisieren. Mein Interesse an diesem Sektor ist sicherlich auch dem Umstand geschuldet, dass ich so viele Jahre im Finanzsektor gearbeitet habe. Seit einiger Zeit beobachten wir den Trend, dass große Investoren ihr Geld aus fossilen Energiegeschäften abziehen. Angetrieben wird er von Klimaschützern und Ökonomen, welche die Zeichen der Zeit richtig gedeutet haben: Der Klimawandel und die Fähigkeit, sich daran anzupassen, sind essentiell bei der Bewertung von Investments. Das Start-up Carbon Delta hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht. Das finde ich sehr spannend.

Ein anderer Sektor, dem große Umwälzungen bevor stehen, ist die Mobilität. Wer von der Zukunft von Mobilität spricht, ruft damit gleichzeitig Begriffe wie Nachhaltigkeit, neue Energieinfrastrukturen und postfossile Mobilitätskonzepte auf den Plan. Und: vernetzte Städte, Car-to-Car-Kommunikation, intelligente Transportsysteme und -dienstleistungen, virtuelle Unternehmen, mobiles Arbeiten, Mobile Commerce. Hier gibt es viele Möglichkeiten von Start-ups, sich mit Ideen einzubringen.

Inwiefern hat eine Institution wie Climate-KIC Einfluss darauf, die Cleantech-Branche zu gestalten?

Ähnlich wie die Politik können auch wir Signale senden. Indem wir z.B. über 300 Startups fördern und damit zeigen, wieviel Innovations- und Entwicklungspotential noch in der Cleantech-Branche steckt. Wir bereiten grüne Unternehmer auf das echte Businessleben vor und helfen dabei eine Gründer-Generation aufzubauen, die Investoren klarmacht, dass Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit keinen Widerspruch darstellen. Damit machen wir die Branche vielfältiger und selbstbewusster. Und dieses Selbstbewusstsein brauchen wir auch: Schließlich ist der Klimawandel kein einfacher Gegner.

Das Interview mit Dominic Hofstetter erschien zuerst im Climate-KIC Blog.